Die nationalsozialistischen Verbrechen in Belarus und Minsk
Die nationalsozialistische Besatzung von Belarus während des Zweiten Weltkriegs zählt zu den brutalsten und zerstörerischsten Kapiteln der deutschen Besatzungspolitik in Osteuropa. Zwischen 1941 und 1944 verwandelten die deutschen Besatzungsbehörden, SS- und Polizeieinheiten sowie Wehrmachtseinheiten große Teile des Landes in ein Gebiet systematischer Vernichtung, Zwangsarbeit und kollektiver Repressalien. Besonders Minsk, die damalige Hauptstadt der Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik, wurde zu einem zentralen Ort nationalsozialistischer Gewaltpolitik.
Invasion und Besatzungspolitik
Mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 begann in Belarus eine mehrjährige Besatzung, die sich durch ihre extrem rassistische Ideologie auszeichnete. Die nationalsozialistische Führung betrachtete die lokale Bevölkerung als „rassisch minderwertig“ und politisch zu vernichten. Der Generalplan Ost sah die langfristige Entvölkerung großer Gebiete vor; kurz- und mittelfristig sollten die Ressourcen des Landes ausgebeutet und Widerstand mit Terror beantwortet werden.
Das Minsker Ghetto
Eines der größten und grausamsten Verbrechen auf dem Gebiet von Belarus war die Errichtung des Minsker Ghettos im Juli 1941. Es wurde innerhalb weniger Wochen zum Zentrum der systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung:
- Rund 80.000 bis 100.000 Juden wurden im Ghetto zusammengepfercht.
- Neben den belarussischen Juden wurden zehntausende deportierte Juden aus Deutschland, Österreich und dem Protektorat Böhmen und Mähren nach Minsk gebracht.
- Hunger, Krankheiten, Kälte und Gewalt forderten täglich Opfer.
- Zwischen 1941 und 1943 wurden im und um das Ghetto zahllose Massaker verübt, darunter die „Aktion 21. Oktober 1943“, bei der mehrere Tausend Menschen ermordet wurden.
Sondernutzungs- und Einsatzgruppen der SS sowie lokale Kollaborateure waren maßgeblich an den Morden beteiligt. Viele Opfer wurden am Stadtrand, in den Wäldern von Blagowtschina und Trostenez, erschossen oder in speziell errichteten Anlagen vergast.
Vernichtungslager Maly Trostenez
Südöstlich von Minsk lag das Vernichtungslager Maly Trostenez, der größte Vernichtungsort auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion:
- Zwischen 60.000 und 90.000 Menschen wurden dort getötet.
- Opfer waren Juden aus Minsk und Umgebung sowie Deportierte aus Mittel- und Westeuropa.
- Auch politische Gefangene und Partisanenverdächtige wurden dort ermordet.
Die Ermordungen erfolgten durch Erschießungen, Vergasung in Gaswagen und durch Verbrennen in Massengräbern.
„Banditennester“-Politik und Partisanenbekämpfung
Belarus entwickelte sich zu einem Zentrum des sowjetischen Partisanenwiderstands. Die deutsche Besatzungsmacht reagierte darauf mit brutalen „Anti-Partisanen“-Operationen, die in Wirklichkeit häufig gezielte Terroraktionen gegen die Zivilbevölkerung waren.
- Ganze Dörfer wurden als vermeintliche Partisanenstützpunkte niedergebrannt.
- Bewohner wurden erschossen, deportiert oder als Zwangsarbeiter verschleppt.
- Schätzungsweise über 9.000 Dörfer wurden teilweise oder vollständig zerstört.
Berüchtigt wurde das Schicksal des Dorfes Chatyn, das 1943 mit allen Bewohnern niedergebrannt wurde – ein Beispiel von vielen.
Zwangsarbeit, Hunger und Repressalien
Neben dem Morden gehörten Zwangsarbeit, Beschlagnahmungen, willkürliche Hinrichtungen, Deportationen und Hungerpolitik zur Besatzungsrealität. Hunderttausende Belarussen wurden zur Arbeit nach Deutschland verschleppt – häufig Jugendliche und Kinder.
Insgesamt verlor Belarus während des Krieges rund ein Viertel seiner Bevölkerung, einer der höchsten Pro-Kopf-Verluste aller vom Zweiten Weltkrieg betroffenen Regionen.
Widerstand und Befreiung
Trotz des Terrors blieb der Widerstand stark. Partisanengruppen sabotierten Infrastruktur, retteten Verfolgte und unterstützten die Rote Armee. Mit der sowjetischen Offensive „Operation Bagration“ wurde Belarus im Sommer 1944 befreit, Minsk am 3. Juli 1944.
Erinnerung und Aufarbeitung
In Belarus hat der Zweite Weltkrieg – als „Großer Vaterländischer Krieg“ – eine zentrale Bedeutung im nationalen Gedächtnis. Orte wie:
- das Gedenkensemble Chatyn,
- das Maly-Trostenez-Mahnmal,
- die Gedenkstätten in Blagowtschina und Schaschkowka,
- sowie das Denkmal für die Opfer des Minsker Ghettos
zeugen von den Verbrechen und der Notwendigkeit, die Erinnerung wachzuhalten.
Die nationalsozialistischen Verbrechen in Belarus und Minsk gehören zu den schwersten Gräueltaten der deutschen Besatzung. Die Kombination aus antisemitischer Vernichtungspolitik, rücksichtsloser Repression gegen die Zivilbevölkerung und der Zerstörung ganzer Landstriche macht dieses Kapitel zu einem Mahnmal für die Folgen von Rassenideologie, Krieg und Totalitarismus. Die Erinnerung daran bleibt essenziell, um historische Verantwortung zu bewahren und zukünftigen Generationen die Bedeutung von Menschlichkeit, Toleranz und Frieden zu vermitteln.
Seit 31 Jahren bin ich hin und wieder in den Ex-Sowjetischen Ländern unterwegs. Unter anderem war ich vor 31 Jahren mehrere Monate in Russland und habe 2 Monate bei einer Russischen Kriegsteilnehmerin im Ural gewohnt. Damals war das gut sichtbar an dem roten Stern an der Wohnungstür.
Als Deutscher empfindet man Scham und 27 Millionen Sowjetische Kriegstote sprechen für sich.
Schon damals hat mir die strickte Trennung zwischen Faschisten und Deutschen imponiert und ich wurde immer mit offenen Armen empfangen.
Auch in Belarus werden die nationalsozialistischen Verbrechen mit der Aussage „Wir haben gegen die Faschisten gekämpft und gesiegt“ getrennt.
Jetzt – also 80 Jahre später empfinde ich wegen der Deutschen Erinnerungskultur noch viel mehr Scham da bei den inflationären Gedenkanlässen die Sowjetischen Kriegsopfer nur eine untergeordnete Rolle spielen, und wenn überhaupt nur am Rande erwähnt werden!






































