Metropolit Filaret von Minsk
Leben und Wirken – Frühes Leben und Ausbildung
Metropolit Filaret, mit weltlichem Namen Kirill Varfolomejewitsch Vachromeejew, wurde am 21. März 1935 in Moskau geboren.
Er absolvierte das Geistliche Seminar in Moskau und begann anschließend das Studium an der Moskauer Geistlichen Akademie. 1959, während seines Studiums, legte er das Mönchsgelübde ab und nahm den Namen Filaret an. Zwei Jahre später schloss er die Akademie mit einem Doktorgrad in Theologie ab.
Aufstieg in der Orthodoxen Kirche
Bereits in jungen Jahren wurde Filaret zu einer prägenden Persönlichkeit innerhalb der Russisch-Orthodoxe Kirche: 1965 wurde er zum Bischof geweiht — mit gerade einmal 30 Jahren.
Von 1981 bis 1989 leitete er das Außenministerium der Kirche, ein zentrales Amt für Beziehungen der Kirche mit anderen Konfessionen, Staaten und gesellschaftlichen Institutionen. In dieser Zeit war er unter anderem auch für die orthodoxen Gemeinden in Finnland zuständig.
Metropolit von Minsk und Patriarchalexarch von Weißrussland
- 1978 wurde Filaret zum Metropoliten von Minsk und dem gesamten sowjetischen Belarus ernannt.
- Als sich das politische Gefüge mit dem Zerfall der Sowjetunion wandelte, wurde er 1989 zum Patriarchalexarchen für ganz Belarus ernannt und übernahm damit die Leitung der orthodoxen Kirche in Weißrussland innerhalb der Moskauer Patriarchatsstruktur.
- In dieser Funktion prägte er die kirchliche Landschaft des Landes über Jahrzehnte, bis zu seiner emeritierten Stellung am 25. Dezember 2013.
Beiträge und Bedeutung
Spirituelle und kirchliche Erneuerung
Unter Filarets Führung erlebte die Orthodoxie in Belarus eine umfangreiche Erneuerung und Expansion:
- Die Zahl der orthodoxen Diözesen stieg von einer einzigen auf zunächst 11 — heute sind es laut Kirchendaten noch mehr.
- Zahlreiche neue Pfarrgemeinden, Klöster (männliche und weibliche), sowie monasteriale Einrichtungen wurden gegründet.
- Er setzte sich für die Wiederbelebung orthodoxer Bildungsstätten ein. Unter seinem Einfluss wurde das kirchliche Leben durch theologische Seminare und Ausbildungsstätten institutionalisiert — etwa das Wiedereröffnen der theologisch-geistlichen Ausbildung in Minsk bzw. anderen Regionen.
Ökumenik und Dialogbereitschaft
Filaret war einer der wenigen hochrangigen orthodoxen Hierarchen, die in der Sowjetzeit und danach aktiv den ökumenischen Dialog pflegten — mit westlichen Kirchen, Altkatholischen und evangelischen Gemeinschaften. Diese Offenheit war für viele ungewöhnlich und brachte ihm teils Kritik, teils großen Respekt ein.
Sein Engagement für Verständigung zwischen orthodoxer Tradition und dem westlichen Christentum wurde oft als Brücke zwischen Kulturen und Glaubensrichtungen interpretiert.
Gesellschaftliches und kulturelles Wirken
Auch im gesellschaftlichen Bereich zeigte Filaret Präsenz:
- Er war zwischen 1990 und 1995 Abgeordneter im Obersten Sowjet der Weißrussischen SSR, wo er sich um Bildung, Kultur und Bewahrung historischen Erbes kümmerte.
- Seine kirchlich-sozialen Programme umfassten Wiedereröffnung von Klöstern, Unterstützung sozialer Einrichtungen und Stärkung der geistlichen Bildung — ein Ansatz, der Kirche, Staat und Gesellschaft verbinden sollte.
Anerkennung und Ehrungen
Für seine Leistungen wurde Filaret vielfach ausgezeichnet — sowohl kirchlich als auch staatlich:
- Er erhielt hohe kirchliche Orden, unter anderem die Erster-Klasse-Auszeichnung Orden des Hl. Alexius der Ersten Klasse der Russisch-Orthodoxen Kirche.
- Der weißrussische Staat ehrte ihn 2006 mit dem Titel Held von Belarus („Hero of Belarus“) für seine herausragende Rolle beim spirituellen und gesellschaftlichen Wiederaufbau des Landes.
Rücktritt, letzter Lebensabschnitt und Vermächtnis
Am 25. Dezember 2013 legte Filaret sein Amt als aktiver Patriarchalexarch nieder; offiziell blieb er Ehrenerzark bzw. Ehren-Exarch.
Am 12. Januar 2021 verstarb er in Minsk im Alter von 85 Jahren.
Sein Andenken wird in Belarus bis heute geehrt — ein Monument vor der Heiliger-Geist-Kathedrale (Minsk) erinnert seit 2022 an seine Verdienste.
Filarets Lebenswerk — religiös, kulturell und gesellschaftlich — prägte das moderne orthodoxe Belarus entscheidend. Durch sein Engagement für Erneuerung, Bildung, Ökumene und soziale Verantwortung schuf er eine neue Basis, auf der die orthodoxe Kirche in Belarus bis heute steht.



































