Road Movie Belarus
Die Reise beginnt – Vorbereitungen für „Der wahre Helm von Juri Gagarin“
Wie aus einer verrückten Idee langsam ein Film wird
Manchmal beginnt ein Film nicht mit einem Drehbuch.
Manchmal beginnt er mit einem Instagram-Post.
Vor einiger Zeit bin ich auf eine Geschichte gestoßen, die zunächst ziemlich unglaublich klang: In einem kleinen belarussischen Dorf sollte der „wahre Helm von Juri Gagarin“ zum Verkauf stehen.
Da meine Kenntnisse der russischen Sprache eher überschaubar oder nicht vorhanden sind, war ich mir zunächst nicht einmal sicher, ob ich den Beitrag überhaupt richtig verstanden hatte.
Aber genau daraus entstand die Idee.
Was wäre, wenn ich einfach wieder nach Belarus fahre und herausfinde, was hinter dieser Geschichte steckt?
Vom Reisebericht zum Film
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Belarus. Seit fast acht Jahren ist auch mein Instagram-Account @herberthaempel ein Teil davon. Viele meiner Follower kommen aus Minsk und Belarus. Über Instagram sind im Laufe der Jahre zahlreiche Kontakte entstanden.
Auch diese Geschichte begann über Instagram.
Eine dieser Bekanntschaften ist Natali, eine junge Fotografin aus Brest.
Auf sie aufmerksam geworden bin ich ursprünglich durch ihre Landschaftsfotografie. Ihre Bilder haben eine Farbigkeit, die meinem eigenen fotografischen Geschmack sehr nahekommt. Sie sind mir deshalb zwischen den vielen Belarus-Fotos auf Instagram sofort aufgefallen.
Wir haben gelegentlich miteinander geschrieben.
Eigentlich kannten wir uns kaum.
Und genau das macht die Sache interessant.
Denn nun möchte ich mit ihr eine Reise unternehmen, die mit einem angeblichen Helm von Juri Gagarin beginnt und wahrscheinlich ganz anders enden wird, als wir beide erwarten.
Ein Film über eine Reise – aber nicht nur über eine Reise
„Der wahre Helm von Juri Gagarin“ soll kein klassischer Dokumentarfilm über Juri Gagarin werden.
Gagarin ist der Ausgangspunkt.
Die eigentliche Geschichte entsteht unterwegs.
Es geht um zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und sich trotzdem auf eine gemeinsame Reise einlassen.
Um Sprache.
Um Missverständnisse.
Um Vertrauen.
Um Fotografie.
Um Belarus.
Um die Vergangenheit.
Und um die Frage, ob man sich verstehen kann, obwohl man nicht dieselbe Sprache spricht.
Natali ist Fotografin und stark mit der Natur verbunden. Im Sommer verbringt sie viel Zeit im Haus ihrer Großeltern auf dem Land und findet dort Erfüllung in der Gartenarbeit.
Ich dagegen bin seit vielen Jahren in Spanien zuhause und komme aus einer völlig anderen Lebenswelt.
Vielleicht ist genau dieser Gegensatz das Interessante.
Die Reise soll selbst zum Film werden
Ich möchte möglichst wenig inszenieren.
Natürlich gibt es Situationen, die vorbereitet werden müssen. Genehmigungen, Technik, Reiseplanung, Fahrzeuge, Unterkünfte, Musik, Archivmaterial und natürlich die Finanzierung.
Aber der Kern des Films soll unterwegs entstehen.
Deshalb möchte ich mit einem möglichst kleinen Team arbeiten.
Im Idealfall besteht die eigentliche Filmcrew weitgehend aus mir selbst.
Als Grafik- und Mediendesigner kann ich viele Bereiche der Produktion selbst übernehmen:
Regie, Kamera, Schnitt, Gestaltung, Color Grading, Titel, Trailer, Website und einen großen Teil der Postproduktion.
Das ermöglicht mir, unabhängig zu arbeiten und Entscheidungen nicht von einer großen Produktionsstruktur abhängig zu machen.
Die Technik soll dabei möglichst klein bleiben.
Eine kompakte Kamera.
Wenig Gepäck.
Ein Mikrofon.
Und ein altes russisches Auto.
Mehr braucht es für diese Geschichte hoffentlich nicht.
Das Auto
Ein wichtiges Element des Films soll ein altes russisches Auto werden.
Es soll auffallen.
Nicht perfekt sein.
Vielleicht ein bisschen zu alt.
Und vielleicht wird es unterwegs auch die eine oder andere Überraschung geben.
Das Auto wird dabei mehr sein als ein Transportmittel.
Es wird unser kleiner gemeinsamer Raum.
Darin sitzen Natali und ich stundenlang nebeneinander.
Sie trinkt Kaffee.
Ich rauche.
Im Auto läuft leise Musik.
Und während draußen Belarus vorbeizieht, entstehen die Gespräche.
Oder eben keine Gespräche.
Denn manchmal sagt niemand etwas.
Kaffee
Eine kleine Idee ist inzwischen zu einem möglichen Running Gag geworden.
Natali trinkt ständig Kaffee.
Während der Reise sollen sich die leeren Kaffeebecher langsam im Auto sammeln.
Einer.
Zwei.
Drei.
Fünf.
Zehn.
Vielleicht irgendwann viel zu viele.
Das klingt banal.
Aber genau solche Kleinigkeiten interessieren mich.
Der Film soll nicht ständig erklären, was gerade passiert.
Er soll beobachten.
Belarus
Die Reise führt uns durch Belarus. Das weisse Nichts auf den westlichen Landkarten.
Dabei interessieren mich nicht nur die bekannten Orte.
Natürlich werden Orte wie Minsk, Brest und die Festung von Brest eine Rolle spielen. Auch Katyn und andere Orte, die mit der schwierigen Geschichte dieser Region verbunden sind, sollen ihren Platz bekommen.
Nicht als plakative historische Exkurse.
Eher als Orte, an denen man innehält.
Daneben steht die Landschaft.
Straßen.
Dörfer.
Wälder.
Gärten.
Wolken.
Menschen.
Und diese manchmal unglaubliche Ruhe.
Ich möchte Belarus nicht als Kulisse filmen, sondern als Teil der Geschichte.
Die Fotografie
Natali ist Fotografin.
Ich selbst komme ebenfalls aus der visuellen Gestaltung.
Deshalb wird Fotografie wahrscheinlich eine zweite Sprache zwischen uns werden.
Wir müssen uns nicht immer erklären, warum uns ein bestimmtes Licht oder eine Landschaft gefällt.
Man sieht es.
Vielleicht zeigt sie mir ein Foto.
Vielleicht filme ich etwas, das sie fotografieren möchte.
Vielleicht ist genau das unsere gemeinsame Sprache.
Das gefällt mir an der Geschichte besonders.
Und dann ist da noch Tschernobyl
Natali möchte fotografieren.
Auch die Sperrzone von Tschernobyl in Belarus interessiert sie.
Die Reise soll deshalb nicht ausschließlich dem Gagarin-Helm folgen.
Es gibt Dinge, die unterwegs wichtiger werden können als das ursprüngliche Ziel.
Das ist auch ein Grund, warum ich den Film nicht komplett durchplanen möchte.
Ich weiß ungefähr, wo wir anfangen.
Ich weiß ungefähr, wo wir hinwollen.
Was dazwischen passiert, weiß ich nicht.
Und genau deshalb lohnt sich die Reise.
Die Musik
Musik soll im Film eine wichtige Rolle spielen.
Eine Musikerin, deren Arbeit ich sehr mag, ist Саша Квашеная. Sie covert bekannte Lieder und übersetzt beziehungsweise adaptiert sie ins Russische.
Ihre Musik passt für mich auf eine besondere Weise zu dieser Geschichte.
Ich möchte deshalb eine offizielle Anfrage stellen und versuchen, die notwendigen Rechte für den Film zu bekommen.
Und vielleicht gibt es sogar noch eine ganz andere Überraschung.
Mehr wird an dieser Stelle noch nicht verraten.
Der Schluss steht vielleicht schon fest
Obwohl der Film noch gar nicht gedreht ist, gibt es bereits eine Idee für die letzte Szene.
Natali und ich sitzen nach der Reise auf einer Düne bei Tarifa in Andalusien.
Vor uns steht das Glas mit dem sogenannten „wahren Helm von Juri Gagarin“.
Natali deckt die Picknick Decke.
Einen Teller.
Einen zweiten Teller.
Einen dritten Teller.
Ich schaue sie an.
„Warum drei Teller?“
Natali zeigt hinter mich.
Ich drehe mich um.
Und dann kommt jemand die Düne hinauf, mit dem ich an dieser Stelle ganz sicher nicht gerechnet habe.
Ich sage:
„Scheiße, man.“
Schwarz.
Abspann.
Ob diese Szene tatsächlich so gedreht wird?
Das werden wir sehen.
Warum ich diesen Film machen möchte
Im Mittelpunkt steht für mich nicht Juri Gagarin.
Und auch nicht der Helm.
Es geht um Begegnungen.
Darum, wie schnell Menschen sich missverstehen können.
Und darum, wie wenig Sprache manchmal nötig ist, um sich trotzdem zu verstehen.
Ich möchte eine Reisegeschichte erzählen.
Keine große Heldenreise.
Keine politische Abhandlung.
Keine Hochglanzproduktion.
Sondern eine persönliche Reise mit zwei Menschen, einem alten Auto, zu viel Kaffee, schlechter gemeinsamer Sprache, viel Landschaft und einer ziemlich absurden Suche.
Und vielleicht finden wir am Ende tatsächlich einen Helm.
Vielleicht auch nicht.
Ich vermute allerdings, dass Tomaten eine größere Rolle spielen werden, als zunächst geplant.
Die Vorbereitungen beginnen jetzt
Bevor die erste Kamera läuft, gibt es noch viel zu tun:
- Drehbuch und Reiseablauf entwickeln
- Natali für das Projekt gewinnen
- Fahrzeug organisieren
- Drehorte recherchieren
- Reise und Unterkünfte planen
- Musik- und Archivrechte klären
- Finanzierung aufbauen
- Crowdfunding vorbereiten
- Filmwebsite entwickeln
- Trailer und visuelles Konzept vorbereiten
- Festivalstrategie entwickeln
- Genehmigungen und Versicherungen klären
Ich werde diesen Prozess hier begleiten und dokumentieren.
Nicht erst wenn der Film fertig ist.
Sondern ab jetzt.
Denn vielleicht ist die Vorbereitung auf diesen Film bereits der Anfang der Geschichte.































